Ein historischer Tag für die alte Dame

Ende des Jahres soll ins altehrwürdige Salamander- Gebäude das Grundbuchzentralarchiv des Landes einziehen. Gestern wurde das beim symbolischen Baggerbiss gefeiert.

Von Susanne Mathes

Kornwestheim. „Ich freue mich, ein neues Zeitalter für das Grundbuchwesen einleiten zu dürfen – und das an einem so exzellenten Standort“, sagte Ministerialdirektorin Dr. Gisela Meister-Scheufelen gestern vor Bau 3 der Salamander-Fabrikhallen.

Beim symbolischen ersten Baggerbiss – in Wirklichkeit muss sich der Baggerführer hüten, die denkmalgeschützten Wände zu touchieren – versammelten sich Vertreter der Landesregierung und des Landtages, des Städtetages, der Immovation AG als Eigentümerin des Areals und der Stadt Kornwestheim. Sie feierten den Coup – denn dass es sich um einen solchen handelt, stand für jeden der Redner aus seiner jeweiligen Perspektive fest. Die Immovation AG hat mit dem Land Baden-Württemberg einen Vorzeige-Partner für ihr Areal gefunden und braucht sich nun um die Belegung eines beträchtlichen Teils der ehemaligen Fabrikhallen keine Sorgen mehr zu machen. Rund 19 000 Quadratmeter wird das Grundbucharchiv ab Jahresende sukzessive füllen; 182 Kilometer Akten aus allen Grundbuchämtern des Landes werden dann mit Hilfe eines technisch aufwendigen, elektronisch betriebenen Archivsystems eingelagert und verwaltet.

„Für die alte Dame Salamander ist das ein historischer Tag. Für uns als Investor auch“, sagte Lars Bergmann, Vorstand der Immovation AG. Dass er selbst an diesem für Immovation so wichtigen Tag Geburtstag habe, könne kein Zufall sein, vermutete er: „Das musste so sein.“

Auch die Stadt Kornwestheim hat, so sagte Oberbürgermeisterin Ursula Keck, Grund zur Freude angesichts des Neuzuzuges. „Wir freuen uns, dass wir mit dem mittlerweile dritten Eigentümer des Salamander-Areals einen so wichtigen Meilenstein setzen können. Dass Investoren die Belange der Kommunen bei solchen Projekten berücksichtigen, ist keine Selbstverständlichkeit.“ Für Kornwestheim sei es wichtig, dass das Areal in seiner Ästhetik erhalten bleibe und der Name Salamander in die Zukunft getragen werde. Als die Rathauschefin Lars Bergmann das Buch „Salamander – die Geschichte einer Marke“ überreichte, gab sie ihm deshalb auch mit auf den Weg: „Das ist nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Verpflichtung.“

Ministerialdirektorin Gisela Meister-Scheufelen berichtete über den Umbruch, in dessen Zuge das Grundbuchzentralarchiv in die Stadt kommt. Die 2008 beschlossene Veränderung des Grundbuchwesens sei eine einschneidende Sache. Die derzeit 667 Grundbuchämter im Land würden zusammengefasst und auf elf Landgerichte verteilt. „Das war ein schmerzhafter Prozess.“ Alle Grundbücher und Grundakten dieser Ämter würden nun an einem zentralen Ort konzentriert, dauerhaft eingelagert und professionell verwaltet – „und das ist Kornwestheim“. 50 Arbeitsplätze, perspektivisch vielleicht auch mehr, bringe das für Kornwestheim mit sich. „Alle neuen Grundbücher werden nur noch digital angelegt. Aber auch deren langzeitige Sicherung wird eine bedeutende Aufgabenstellung für das neue Archiv sein“, sagte die Ministerialdirektorin.

Architekt Achim Westermann berichtete von der Herausforderung, die es bedeute, das Archiv ins Denkmal zu integrieren. Die Verhandlungen mit dem Stadtbauamt und dem Denkmalschutz seien intensiv, aber fruchtbar gewesen. Bei einer Begehung der Bauten 3, 7 und 2, in denen so genannte Kabinette für die Archivalien eingerichtet werden, konnten sich die Gäste eine erste Vorstellung von den Dimensionen des künftigen Archivs machen.

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STN, 07.05.2011